gamescom 2026, Nachbetrachtung
Die Community trägt die Messe
Die gamescom 2026 hatte 368.000 Besucher und erstmals eine komplett ausgebuchte Fläche. Getragen haben die Messe die Cosplayer und die Fandoms. Behandelt wurden sie schlechter als alle anderen.
Die Cosplayerin @sakura71004, mit der ich einen Teil der Messe verbracht habe, wurde am Eingang mit der Waffe ihres Cosplays abgewiesen. Sie war als Iuno aus Wuthering Waves unterwegs, ein Freund hatte ihr das Prop im Auftrag gebaut, exakt nach den Regeln der Messe, weil auf dem Gelände ein Shooting geplant war. Die Auskunft am Eingang: Die Messe sei zu voll, sie solle das Ding zum Auto zurückbringen. Danach, erzählt sie, habe man sie gedrängt hineinzugehen, ohne dass noch jemand etwas hören wollte.
Sie hat an dem Wochenende mehr davon gesehen. Wer reindurfte und wer nicht, wirkte auf sie wie eine Tagesform der Security. Bei der einen war das Kostüm zu freizügig, bei der nächsten nicht. Dasselbe bei Flügeln und Schleppen. Bei Props hieß es mal, das sehe zu groß aus, mal, die Messe sei schon voll genug. Beides sind für sich genommen nachvollziehbare Sätze. Nur wurden im Lauf des Tages trotzdem Leute mit größeren Props durchgelassen. Ihr Eindruck: Es hing davon ab, wer gerade kontrolliert. Die Taschenkontrolle hat sie an allen fünf Tagen kein einziges Mal erwischt, sie wurde jedes Mal durchgewunken.
Auch beim Cosplay Contest gab es Kritik. Die Cosplayerin @doctress_cosplay, die selbst teilgenommen hat, beschreibt auf TikTok den Weg zur Bühne: außen herum über den Parkplatz, auf dem Rückweg im Regen, dazu langes Warten im Flur. Shuttles zur Messe habe es gegeben, aber für Creator, nicht für die Cosplayer, die beim Contest antraten.
Aber wir müssen in diesen Outfits, die wirklich nicht zum spazieren gehen gemacht sind und viele tausend Euro gekostet haben draußen langlaufen euer ernst?
Wer den Stand ausmacht
Was mir über die ganze Woche am deutlichsten aufgefallen ist: Es ist egal, wie dein Stand aussieht. Es kommt darauf an, wer davor steht.
Ganze Sektoren wurden von Cosplayern für Shootings übernommen. Beim Nikke-Meetup, in dem meine Freundin mit dabei war, entstand mitten im Gang ein Kreis, in den niemand hineinlief. Verschiedene Cosplays, alle aus demselben Spiel, drumherum Leute mit großen Kameras und Presseausweisen um den Hals. Das zieht mehr Aufmerksamkeit als jede Standdeko.
Am Donnerstag waren meine Freundin und ich selbst unterwegs, sie als Sable Ward in einem Shop-Skin, ich als Ghost Face mit der Maske mit der herausgestreckten Zunge. Man merkt den Unterschied sofort. Als Cosplayer bist du Teil der Sache und nicht nur jemand, der durch Gänge läuft.
Schade fand ich, dass das Nikke-Treffen das einzige große Meetup war, das ich überhaupt mitbekommen habe. Die gamescom hat nichts, was der DoKomi-App entspricht, wo die Community ihre Treffen selbst einträgt. Ohne so etwas erfährt man von den meisten Sachen einfach nicht.
Halle 10.1
Mein Lieblingsort war Halle 10.1. Dunkler als die anderen, hauptsächlich beleuchtet von den RGB-Aufbauten der Aussteller, und in den Gängen deutlich weniger Gedränge, weil die großen Namen in 8 und 9 sitzen.
Da war ich am längsten. Bei Booster konnte man an einem Rad drehen und mindestens eine Dose Energy gewinnen, im besten Fall vierundzwanzig. Wartezeit maximal fünf Minuten. Meine Freundin hatte das Glück und wir hatten anschließend eine ganze Kiste, die wir zum Auto schleppen durften. Das war schwerer als es klingt.
Gegenüber stand Yayla mit Ayran und Putensticks, kostenlos, dazu ein simples Minigame ohne nennenswerte Schlange. Genau darum ging es in dieser Halle: Man kam an die Stände ran, konnte mitmachen und mit den Leuten reden, statt zwei Stunden anzustehen und dann zehn Minuten zu haben.
Ausgerechnet mein eigenes Highlight war die Ausnahme. Der Dead-by-Daylight-Stand hatte eine Schlange, die so lang wurde, dass sie andere Stände blockierte. Irgendwann wurde ein harter Cut gesetzt und man hat uns gesagt, wir sollen uns nicht mehr anstellen. Ich spiele das Spiel selbst, insofern hat mich das getroffen. Es zeigt aber auch, dass die ruhige Halle nur so lange ruhig ist, bis die Community entscheidet, dass hier etwas los ist.
Die Kamera blieb in der Tasche
Ich hatte meine Canon dabei, ein relativ kleines Gehäuse, und trotzdem hing sie die meiste Zeit nicht um den Hals. In den Gängen war Körperkontakt keine Seltenheit, und ich hatte schlicht Sorge um das Gerät. Also raus aus der Tasche, Bild machen, wieder rein. Über fünf Tage ist das anstrengend, und es sagt mehr über die Auslastung der Messe aus als jede Besucherzahl.
Die Zahlen passen dazu: 1.743 Aussteller, elf Prozent mehr als im Vorjahr, auf unverändert rund 233.000 Quadratmetern. Die Fläche war erstmals komplett ausgebucht. Mehr Stände auf gleichem Raum bedeutet weniger Platz zum Stehenbleiben.
Halle 5.1 nach Feierabend
Am Samstag war ich auf der Afterparty für Aussteller. Reingekommen bin ich über einen Kontakt aus der Modelbranche, für den ich fotografiert und bei Social-Media-Inhalten geholfen habe. Das gehört dazu, wenn ich darüber schreibe.
Um 20 Uhr schloss die Messe, um halb neun ging es in Halle 5.1 los. Die kleine Bühne war zur Partybühne umgebaut, es gab Getränke, Snacks und einen Außenbereich, und die Halle gehörte für ein paar Stunden einer überschaubaren Gruppe.
Der seltsamste Moment des Wochenendes war der kurze Gang durch die leeren Hallen, bevor die Party losging. Alles steht noch, die Aufbauten, die Bildschirme, und niemand ist da. Man sieht Dinge, die man in der Masse nie zu Gesicht bekommt.
Auf der Party selbst waren die Gespräche anders als tagsüber. Alle waren im selben Modus, alle hatten dieselbe Woche hinter sich, keiner musste etwas verkaufen. Auch Cosplayer waren dabei. Um Mitternacht war Schluss, was mir deutlich zu früh vorkam.
Was ich mir für 2027 wünsche, ist keine große Sache. Eine App, die nicht nur auf Aussteller und Fachbesucher zugeschnitten ist, sondern auch auf die Leute, die für die Atmosphäre sorgen. Meetups, die die Community selbst einträgt, ein Hallenplan, der sich bedienen lässt, und das Ticket im selben Fenster. Die DoKomi zeigt seit Jahren, dass das geht, und die ist deutlich kleiner.
Und da liegt der Punkt, der mir seit der Rückfahrt nicht aus dem Kopf geht. Aussteller bekommen eine leergeräumte Halle, Freigetränke und Musik bis Mitternacht. Cosplayer bringen ein regelkonform gebautes Prop mit und werden zurück zum Auto geschickt. Beide Gruppen haben die Messe getragen. Nur eine davon hat es gemerkt.
Besucher- und Ausstellerzahlen nach den Abschlussangaben von Koelnmesse und game-Verband vom 30. August 2026. Alle Fotos: Emirhan Azmaz. Hinweise oder Korrekturen an emirhan.azmaz@gmx.de